Schweinswale 2016 – Überraschungen, Freude und Trauer

Schweinswale im Hamburger Hafen. Foto: Wibke Hildebrandt
Schweinswale im Hamburger Hafen. Foto: Wibke Hildebrandt

Fluss-Schweinswalsaison 2016

Über 600 Schweinswal-Sichtungen sind mir im Frühjahr 2016 von der Elbe oder Weser per Online-Sichtungsformular oder direkt über WhatsApp auf 0176-22208271 gemeldet worden  – eine wunderbare Unterstützung dieses „Citizen Science“-Projekts durch die Bevölkerung, herzlichen Dank an alle!

Erneut konnte dadurch belegt werden, dass die kleinen Wale im Frühjahr weit in die Elbe und Weser flussaufwärts ziehen, den Stinten folgend, die zum Ablaichen aus der Nordsee bis ins Süßwasser schwimmen.

Gute Beobachtungsbedingungen herrschen im Hamburger Hafen, hier ist die Elbe in ein enges und dadurch sehr überschaubares Flussbett gezwängt. Viele Spaziergänger entlang des Elbufers, Passagiere der Fähren oder auch Anwohner konnten die kleinen Meeressäuger oft ganz aus der Nähe sehen. Die „Whale Watcher“ waren durchwegs beeindruckt und meldeten mit großer Begeisterung ihre Begegnungen. Unseren einzigen heimischen Wal so nah zu sehen ist bislang fast nur Bootsfahrern vorbehalten geblieben. Durch ihre seit einigen Jahren stattfinden Wanderungen flussaufwärts und die Bekanntmachung durch das Sichtungsprogramm können die faszinierende Wale nun von vielen erlebt werden – und sie werden geliebt!

Hoher Blutzoll durch Hafengeburtstag

Toter Schweinswal am Elbufer. Foto: Nadine Schmidt
Toter Schweinswal am Elbufer. Foto: Nadine Schmidt

Die Wale finden entlang des Elbufers von Blankenese bis in den Hamburger Hafen zwar leichtes Futter, die Stinte sind leichte Beute, doch herrschen hier sehr schlechte Lebensbedingungen, und viele Schweinswale bezahlten ihren Ausflug mit dem Tod. Eine besondere Rolle spielt hierbei leider der Hafengeburtstag. 31 tote Wale wurden danach insgesamt im Hamburger Gebiet gefunden und sind vom Institut für Hygiene abgeholt und untersucht worden. Stumpfe Verletzungen, Knochenbrüche, Schiffsschraubenverletzungen und teilweise ein mäßig bis schlechter Ernährungszustand wurden aufs Erste festgestellt. Der Hafengeburtstag scheint jedenfalls einen hohen Anteil daran zu haben.

Meldungen lebender Wale, die davor wochenlang täglich bei mir eintrafen, waren nach dem Hafengeburtstag schlagartig vorbei. Vier weitere tote Wale wurden dann Ende Mai entlang der Elbe Richtung Nordsee, auf Pagensand, Schwarztonnensand und am niedersächsischen Ufer angespült und vermutlich sind es noch mehr, die den Weg zurück in die Nordsee nicht geschafft haben.
© , Juli 2016

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift! Verschiebung des Hafengeburtstages gefordert!

Schweinswale e.V. setzt sich bei den Hamburger Behörden für eine kleine zeitliche Verschiebung des Hafengeburtstages ein, der jährlich Anfang Mai sattfindet. Sind aber die Schweinswale im Fluss, dann genau noch in diesem Zeitraum. Die Forschungen unserer Biologin Denise Wenger, die sie seit 2007 an den Flüssen durchführt, haben nämlich ein sehr genaues räumliches-zeitliches Muster des Aufenthaltes ergeben. Von Anfang März bis Ende Mai halten sich die Schweinswale an den Fischlaichgründen von Stint und Finte auf, 2016 waren es schätzungsweise bis zu 80 oder 100 Wale zwischen Blankenese und Harburg. Durch die Einlaufparade des Hafengeburtstages wurden viele der Wale regelrecht eingekesselt und dann nach und nach durch Kollisionen verletzte, getötet oder sind verhungert. Würde der Hafengeburtstag nur um drei Wochen verschoben, könnte das schreckliche, 2016 stattgefunden Überfahren der vielen Wale vermieden werden.

Bitte helfen Sie den kleinen Walen mit Ihrer Unterschrift (LINK zu UNterschriftenliste) oder einer Spende (Formular) für die wichtigen Datenerhebungen und Ausarbeitungen von Schutzmaßnahmen!

 

⇒ Vollständiger Projektbericht der Biologin Denise Wenger (PDF)

⇒ Hier sehen Sie, wo überall Schweinswale in diesem und in den vergangenen Jahren in Elbe, Weser, Ems und Jade gesichtet wurden

⇒ Schweinswalschützerin erhält Yves Rocher-Umweltpreis für Frauen