8. Juli: Internationaler Tag des Kalifornischen Hafenschweinswals*

Rettungsmaßnahmen für den vom Aussterben bedrohten Vaquita

Delfine sollen Hafenschweinswale aufspüren

Einige Experten und Naturschutzorganisationen haben sich nun doch darauf geeinigt, dass versucht wird, einige der letzten etwa 30 Vaquitas im Golf von Kalifornien, Mexiko, einzufangen und sie in einem vor der Küste gelegenen abgesperrten Areal zu halten und zu versuchen, ob dort die Fortpflanzung und ihr Schutz gelingen.

Um die scheuen kleinen Meeressäuger aufzuspüren, sollen darauf trainierte US-Militärdelfine auf die Suche gehen. Ein Testlauf war bereits erfolgreich, bei dem die Militärdelfine gewöhnliche Schweinswale erfolgreich aufspürten und anzeigten.
Doch das anschließenden geplante Einfangen mit Netzen ist ein sehr heikles Unterfangen. Der Stress beim Fang kann für geschwächte Tiere tödlich sein. Das semi-natürliche Areal für die Haltung muss groß genug sein, und wie werden sie genügend Nahrung bekommen, gelingt eine Zufütterung bei den wilden Tieren? Wie kann man den Ausbruch und Übertragung von Krankheiten auf engem Raum vermeiden? Also, es kann dies nur der allerletzte Schritt sein und ist ein verzweifelter Versuch, die Art zu retten. Bei Pandas, Tigern und Huftieren beispielsweise ist es gelungen, in Gefangenschaft weiter zu züchten und die Tiere zu vermehren, die manchmal wieder ausgewildert werden können. Doch ein Meeressäuger ist etwas ganz anderes.

Zudem ist die Population mit so wenigen Tieren bereits bei einem genetischen Engpass angelangt. Wie sich die begrenzte genetische Vielfalt auswirkt und ob schon Inzuchtprobleme auftreten, wird man erst in einigen Jahren wissen, wenn es überhaupt noch dazu kommt. Denn schon in zwei Jahren könnte bei der jetzigen Mortalitätsrate der Vaquita ausgestorben sein und die Weibchen gebären nur alle zwei Jahre, zudem lebt nur noch eine Hand voll fortpflanzungsfähiger Weibchen in der Population. Alles ein hohes Risiko und vielleicht ist es nun schon zu spät, um das Aussterben zu verhindern, wie dies auch bei dem Chinesischen Flussdelfin der Fall war.

Chinesische Medizin als Artenkiller

Doch wie konnte es so weit kommen, obwohl seit Jahren das schnelle Schrumpfen der Population der kleinesten aller Wale weltweit Anlass zu Sorge gab. Die mexikanische Regierung hatte auch bereits verschiedene Schutzmaßnahmen erlassen, ein Schutzgebiet eingerichtet (Biosphärenreservat 1993, Refuge Area 2005), in dem die Nutzung von Stellnetzen – der Haupttodesursache – verboten ist und Mittel für die Schaffung alternativer Einkommensquellen und Umschulungsmaßnahmen für die Fischer zur Verfügung gestellt.
2011 schienen die Maßnahmen zu greifen, doch dann stieg mit einem Mal der Preis für eine andere im Gebiet beheimatete Art, dem Totoaba, einem Umberfisch, der im ausgewachsenen Zustand etwa so groß ist wie ein Hafenschweinswal (1,2-1,5 Meter). Seine Schwimmblase wird in der chinesischen Medizin verwendet und bringt nun auf dem Schwarzmarkt etwa 10.000 US-Dollar und wird sogar noch teurer in China mit bis zu 50.000 US-Dollar gehandelt.

Dies war und ist Anreiz genug, um die illegale Fischerei im Lebensraum der bedrohten Wale und Umberfische anzuheizen. So sterben die Vaquitas nun in den illegalen Netzen. Das mexikanische Militär wurde eingesetzt, um gegen die illegalen Machenschaften vor Ort zu patrouillieren, doch oft liegen dessen Boote mit Maschinenschaden oder ohne Treibstoff im Hafen. Sea Shepherd – die Organisation von Paul Watson – ist seit Jahren vor Ort und mit Einverständnis der Behörden im Einsatz. Unzählige illegale Netze wurden seitdem geborgen, doch die Wilderer werden immer dreister. 2013 wurde ein 73-jähriger Mann gefasst, der insgesamt 241 der begehrten Fisch-Schwimmblasen in seinem Besitz hatte, ein Wert von etwa 3,6 Millionen Dollar auf dem Schwarzmarkt.

Kontrollen verschärfen, Wilderern das Handwerk legen, den Handel unterbinden

Es sollten alle Anstrengungen durch internationale Hilfe und Zusammenarbeit gemacht werden, das urspüngliche Verbreitungsgebiet dieser kleinsten aller Wale zu schützen und dort jegliche Nutzung zu untersagen. Nur mit einem absoluten Nutzungsverbot kann auch effektiv kontrolliert werden und die Wale haben eine Überlebenschance in ihrem natürlichen Lebensraum.
Ausgleichsfonds für Fischer müssen erneut geschaffen werden und alternative Erwerbsquellen und Anreize gefunden, sie müssen in die Schutzbemühungen mit eingebunden werden, die mexikanische Regierung muss erneut verstärkt handeln und Fischereiverbote effektiver kontrollieren und muss international in ihrem Handeln unterstützt werden.

Ich habe mich bei vor Ort arbeitenden Biologen erkundigt und sie sagen, im Gebiet der Vaquitas herrschen mittlerweile die „Warlords“. Der illegale, höchst lukrative Fang und Handel mit der Schwimmblase des Totoaba nach Asien verursacht den tödlichen Beifang vieler der kleinen Walen. Die eingesetzten Netze und Bojen sind oft ganz neu, das heißt, es steckt kein armer Fischer dahinter.
Dieser unsinnige Handel mit angeblich medizinisch wirksamen Produkten bedrohter Tiere gefährdet viele Arten weltweit, dies muss endlich gestoppt werden und die chinesische Medizin auf pflanzliche oder synthetische Produkte umsteigen, sodass keine Wildtiere zu Tode kommen, abgeschossen oder ausgerottet werden.

Wir wollen den Vaquita nicht der Liste der ausgestorbenen Arten hinzufügen müssen!

Am Ende aller Bemühungen muss es das Ziel sein, Vaquitas und andere bedrohte Arten in freier Wildbahn zu erhalten und ihren Lebensraum ausreichend schützen zu können. Denn nur die Art in Gefangenschaft zur erhalten mit wenigen Tieren kann kein vernünftiges und langfristiges Ziel sein.

©Denise Wenger/ Schweinswale e.V.

Wer mehr erfahren möchte, kann sich unter im folgenden Beitrag aufgelisteten Links informieren. Auch ein prämierter Film von Wild Lens ist freigegeben und zum Tag des Vaquitas zu finden unter:
http://vaquitafilm.com/watch-int

Helfen Sie bitte mit einer Spende!
Spenden für den Schutz der Vaquitas werden von Schweinswale e.V. an vor Ort arbeitende Organisationen weitergeleitet.

Phocoena sinus: Golftümmler oder Kalifornischer Schweinswal oder Vaquita (=spanischer Kose-Name für den kleinen Wal, bedeutet „kleine Kuh“)